Neues Islamisten-Netzwerk


Pakistans religiöse Rechte wirbt vereint mit Massenkundgebungen um Unterstützer. Doch schon jetzt zeigen sich erste Risse in dem kürzlich gegründeten Islamisten-Netzwerk.Quelle


Ein Islamisten-Netzwerk sorgt in Pakistan mit Massenkundgebungen für Aufsehen. Rund vier Dutzend Parteien und religiöse Organisationen haben sich zu dem Verband Difa-e Pakistan («Verteidigung Pakistans») zusammengetan, nachdem die Nato im vergangenen November bei einem Luftangriff an der Grenze zu Afghanistan 24 pakistanische Soldaten getötet hatte. Dem Verband gehören auch einige verbotene militante Gruppen an sowie Tarnorganisationen von Terrororganisationen. Einige der prominentesten radikalen Kleriker des Landes unterstützen das Netzwerk. Seit seiner Gründung sind Tausende von Menschen zu den Kundgebungen gekommen, die Difa-e Pakistan in mehreren Grossstädten abgehalten hat. Die letzte dieser Kundgebungen fand diese Woche in Islamabad statt. Die Redner polterten gegen die üblichen Feindbilder: Indien und die USA. Einer von ihnen warf den USA vor, sie wollten «Pakistan auseinanderreissen». Damit bezog er sich auf die Forderung von Mitgliedern des amerikanischen Kongresses nach Selbstbestimmung für Pakistans Unruheprovinz Baluchistan. Ein anderer Redner verlangte, jedes Kind in Pakistan müsse sich dem Heiligen Krieg anschliessen. Neben der Bühne standen schwarz gekleidete Männer mit Sturmgewehren. Die Polizei leitete lediglich den Verkehr um. Wiederholt hat Difa-e Pakistan die Regierung davor gewarnt, die pakistanischen Transportrouten wieder für den Nachschub der Nato freizugeben. Die Organisation drohte, ihre Anhänger würden die Konvois angreifen – wie sie dies bereits mehrfach getan haben. Zumindest haben die Behörden einige der umstrittensten Einpeitscher des Netzwerks daran gehindert, auch in der Hauptstadt aufzutreten. Doch erst vor wenigen Wochen hat bei einer ähnlichen Kundgebung in Lahore Hafiz Saeed Indien unverhohlen mit weiteren Anschlägen gedroht. Saeed ist einer der Gründer der Terrorgruppe Lashkar-e Toiba, die für die verheerende Terrorattacke auf Mumbai im November 2008 verantwortlich sein soll. Dass Saeed nicht nur auf freiem Fuss ist, sondern Indien offen mit weiteren Anschlägen drohen kann, lässt ahnen, wie nahe sich Pakistans Sicherheitsapparat und die militanten Gruppen des Landes stehen. Denn beim Aufbau vieler Gruppen, die sich zu Difa-e Pakistan zusammengetan haben, hat der pakistanische Geheimdienst ISI kräftig mitgeholfen. Die Militanten sollten in den achtziger und neunziger Jahren Pakistans geostrategische Interessen gewaltsam durchsetzen. Nach der Mumbai-Attacke haben die Behörden Saeed zwar mehrmals für kurze Zeit festgesetzt, gehen aber nicht weiter gegen ihn vor. «Stellte man Hafiz Saeed vor Gericht, dann stünde damit auch der pakistanische Staat vor Gericht», sagte vor einiger Zeit ein hochrangiger Armeeoffizier im Ruhestand bei einem Gespräch in Islamabad. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, dass der frühere ISI-Chef Hamid Gul als weiterer prominenter Redner bei den Difa-e-Pakistan-Kundgebungen aufgetreten ist. Dieser tingelt üblicherweise mit seinen USA-feindlichen Thesen durch Pakistans Polit-Talkshows. Unter seiner Ägide soll der Sicherheitsapparat in den neunziger Jahren die afghanischen Taliban aufgebaut haben. Anders als etwa die Muslimbrüder in Ägypten und Tunesien, die auf moderatere Töne setzen, halten Pakistans Islamisten an ihrer aggressiven Rhetorik fest. «Pakistans religiöse Parteien bleiben intolerant gegenüber Minderheiten und weigern sich, Programme zu entwerfen, die das Leben der Menschen verbessern», schreibt der Autor Ahmed Rashid in einer Analyse. Die Hardliner benutzten die Kundgebungen, um Selbstmordattentäter zu rekrutieren. Pakistans Extremisten-Netzwerk könnte aber auch an anderen, ganz profanen Umständen scheitern: den Egos seiner Anführer. Ein Reporter der Tageszeitung «Dawn» beschrieb, dass bei der letzten Kundgebung in Islamabad bereits einige bekannte Redner gefehlt hätten. Grund dafür sollen Rivalitäten zwischen den verschiedenen Gruppen sein. Viele der bereitgestellten 6000 Stühle für das Publikum seien leer geblieben. Derweil hätten sich mehrmals Anhänger verschiedener Gruppen unmittelbar vor der Bühne geprügelt.

 Bald auch bei uns? Die einen suchen ja bereits eine Halle für ihre Hetze.

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